Oikos-Verein

Jahresbericht 2013 für die Mitgliederversammlung am 4. Mai 2014

Unterstützung von SegaL:

Der OIKOS e.V. hat in Deutschland wieder einige Leute unterstützt, die ohne diese Unterstützung an Seminaren von SegaL — dem „Seminar für ganzheitliches Lernen — nicht hätten teilnehmen können. Erfreulich ist, daß es einige offene Spenden gegeben hat, so daß diese Seite der OIKOS-Aktivitäten erhalten bleibt. Aber es muß diskutiert werden, wie wir hier mehr Spenden hereinbringen können, um diese Unterstützung unserer ganzheitlichen Psychologie fortführen zu können.

Das „Collectif des Citoyens Universitaires'" (CUCI)
und die Heime der Haiti Kinder Hilfe e.V.:

In Haiti hat der OIKOS e.V. weiter die Arbeit von Professor Herold Toussaint gefördert. Wir haben ihm 6500,- US-Dollar zukommen lassen, mit der er die Jahresmiete für die Räume bezahlen konnte, in dem er die Sitzungen von CUCI („Collectif des Citoyens Universitaires") abhält. Die Studenten erarbeiten unterschiedliche Themen, die mit staatsbürgerlicher Verantwortung zu tun haben, um jeweils gemeinsam unter der Supervision von Professor Toussaint ein Buch zu dem Thema zu veröffentlichen.
Toussaint engagiert sich darüber hinaus in den Heimen der Haiti Kinder Hilfe e.V.. Er versteht sich als psychologischer Berater und Begleiter sowohl der Kinder und Jugendlichen wie der verantwortlichen Erzieher. Seine Tätigkeit umfasst also auch Coaching-Aspekte. Alle von ihm Beratenen haben Vertrauen zu ihm. Wenn nötig, führt er therapeutische Einzelsitzungen durch. Immer wieder trifft er sich mit der ganzen Gruppe der Mädchen im Mädchenheim, der Jungs im Jungsheim, manchmal auch mit allen zusammen. Öfters trifft sich das Team der Verantwortlichen bei ihm, wenn es spezielle Probleme gibt, die besprochen werden müssen. Alle sind sich einig, daß seine Hilfe die Qualität der pädagogischen Betreuung der Kinder und Jugendlichen entscheidend prägt und verbessert.
Als wir (Claire und Frank Höfer) dort waren, organisierten die Mädchen des Mädchenheims ein schönes Fest, bei dem sie einzelne Gedichte aus dem Gedichtband von Toussaint vorgetragen haben — ein erstes Ergebnis seiner Initiative, bei der die Jugendlichen Gedichte auswendig lernen sollen, dann lernen, sie vorzutragen, um vielleicht Vorführungen in Gefängnissen oder Krankenhäusern zu organisieren. Soweit ist das Projekt noch nicht gediehen, denn den Jugendlichen fehlt noch einiges Selbstvertrauen und Können, um öffentlich aufzutreten. Aber die Auftritte beim Fest waren ein bemerkenswerter Anfang, der manchen der Mädchen beträchtlichen Mut abverlangt hat.

Neudruck eines Buchs für Studenten von Professor Toussaint:

Toussaint hat durch die Unterstützung der deutschen Quäker, die durch einen Freund von uns zustande gekommen ist, und durch die Unterstützung des OIKOS e.V. ein Buch neu drucken können, das offenbar bei Studenten in Haiti gut ankommt und deshalb in erster Auflage vergriffen war. Es trägt den Titel „Le métier d'étudiant" (etwa: „Der Beruf des Student-Seins") und ist eine Art Methodologie für Studierende. Es geht also um die Frage, was Studieren ist und was man als Student berücksichtigen sollte. Das Buch ist vielseitig, weil es verschiedenste wichtige Aspekte aufgreift, die von psychologischen Voraussetzungen bis zu wissenschaftlicher Systematik reichen. Toussaint führt auch Seminare für Studenten aller Fakultäten durch, die um dieses Thema kreisen und in denen er Inhalte des Buchs bespricht.

Erzieher und Erzieherinnen im Waisenheim in Cap Haïtien:

Im Waisenheim in Cap Haïtien der Institution „Notre Dame de la Médaille Miraculeuse" hat sich viel zum Positiven geändert. Eine französische pharmazeutische Firma hat völlig neue Gebäude finanziert, wodurch sich die Wohnbedingungen der Kinder und der Angestellten sehr verbessert haben. Auch Soeur Godelieve hat neue Räume, die nun auch bei heftigen tropischen Regengüssen nicht mehr überschwemmt werden. Die Zimmer sind sauberer; auch die Stockbetten sind neu. Für die Kleider wurden gute Schränke angeschafft. Die durch OIKOS ermöglichte Neuanstellung von Erziehern und Erzieherinnen traf mit der Einweihung der neuen Gebäude zusammen, so daß atmosphärisch Aufbruchsstimmung zu neuen pädagogischen Ufern herrscht.
Natürlich gab es Anfangsschwierigkeiten. Im Oktober wurden Kandidaten in Fortbildungsveranstaltungen und im täglichen Umgang mit den Kindern probeweise angestellt. Nicht alle haben sich bewährt, so daß es bis Ende Dezember gedauert hat, bis das endgültige jetzige Team zustande kam. Das ist in Haiti nicht verwunderlich, denn es ist nicht einfach, zuverlässige und wirklich lernbereite Leute zu finden. Es sieht jetzt alles so aus, wie wenn nun ein gutes Team da ist.
Wir konnten die Leute bei der täglichen Arbeit sehen. Sie kümmern sich. Es wird viel mehr mit den Kindern gespielt. Sie bekommen, wenn nötig, Nachhilfe für die Schulaufgaben. Sie reden mit den Kindern, wenn nötig einzeln, oft aber auch in kleinen oder größeren Gruppen. Sie organisieren gemeinschaftliche Veranstaltungen.
Da gerade Karneval war, hat das Erzieherteam mit den Waisenkindern des Heims und mit den Kindern und den Jugendlichen der Schule ein großes Karnevals-Fest organisiert. Das war wirklich beeindruckend. Es gab Tanzvorführungen, Gedichtvorträge, Reden, einen Umzug — alles gut organisiert, gut einstudiert. Sogar das Fernsehen von Cap Haitien war da.
Günstig ist, daß das Erzieherteam von einer Frau geleitet wird, die sehr viel organisatorisches Talent und das nötige Selbstbewusstsein hat.
Dazu kommt, daß der französische Verein, der sich um die Fortbildung der Erzieher und Erzieherinnen und auch der Lehrer der Schule kümmert, immer wieder Fortbildungsveranstaltungen durchführt.
Weniger erfreulich ist, daß es Spannungen zwischen der Gründerin und der Schuldirektorin gibt. Wir hoffen sehr, daß diese Spannungen nicht die Kontinuität in Gefahr bringen, die das Erzieher-Programm braucht, um den Kindern nachhaltig gute Bedingungen im Heim zu bieten.

Ausblick auf 2014: Toussaint und das Heim in Cap Haitien sollen weiter unterstützt werden.

Wichtig ist, daß OIKOS mehr Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Es soll versucht werden, die Homepage öfter zu aktualisieren und die eine oder andere interessante Information dort zu veröffentlichen, damit Leute Lust bekommen, diese Homepage immer wieder aufzusuchen. Wir könnten jemanden brauchen, der dafür sorgt.

Wir sind am Überlegen, ob wir näher mit einem jungen Haitianer zusammenarbeiten, der auf dem Land 60 km von Port-au-Prince entfernt in der Nähe eines Stausees eine Schule bauen will. Wir müssen junge Leute finden, die mit uns zusammenarbeiten.

Es gibt viel zu tun!

Frank Höfer

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