Oikos-Verein

Jahresbericht des OIKOS e.V. für das Jahr 2012

Der Verein konnte in Deutschland wieder einige Personen finanziell unterstützen, um an Seminaren des „Seminars für ganzheitliches Lernen" teilzunehmen.

Was Haiti angeht, so besteht die Zielrichtung des Vereins in der Bemühung, pädagogisch-psychologische Projekte zu initiieren, in denen ein ganzheitlicher Ansatz im Sinn des OIKOS e.V. zum Tragen kommt. Dabei sollen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen aus armen Familien auch staatliche Behörden einbezogen werden.

Es ist uns gelungen, einen haitianischen Soziologen, Professor Herold Toussaint, für uns zu gewinnen.
OIKOS unterstützte dessen gemeinnützigen Verein CUCI („Collectif des Universitaires Citoyen") mit 3257,- US-Dollar. Toussaint bemüht sich, Studenten neben deren regulärem Studium zu vermitteln, was bürgerliche Verantwortung heißt. Die Unterstützung wurde verwendet, um nötiges Material für die Arbeit mit den Studenten zu kaufen (Stühle, Tische, Papier, Lampen ...).
Im Gegenzug hat er annähernd 50 Stunden darauf verwandt, den Kindern und Jugendlichen des Kinderheims des „Haiti Kinder Hilfe e.V." in Port-au-Prince zu vermitteln, was „Verantwortung" und „Verantwortung übernehmen" heißt. Die Arbeit von Professor Toussaint besteht bei diesen Kindern und Jugendlichen, die durchwegs aus armen haitianischen Familien kommen, zunächst vor allem darin, Vertrauen zu schaffen, das Selbstbewusstsein der Heimbewohner zu stärken und ihnen unter Zuhilfenahme psychologischer Methoden zu helfen, der eigenen Motivation nachzuspüren. „Was will ich aus mir und meinem Leben machen?", war eine der Kernfragen. Dabei kam unter anderem zutage, daß die Lebenswünsche eher an Sitte und damit zusammenhängenden Träumen, weniger an einem Gefühl für und Wissen über die eigenen Neigungen und Begabungen orientiert sind. Durch die Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Erfahrungen, durch die Erfahrung, ernst genommen zu werden, durch das Gespräch über schwierige Lebensbereiche ist es Professor Toussaint gelungen, das Vertrauen der Jugendlichen mehr und mehr zu wecken. Jetzt (im Jahr 2013) hat er in diesem Rahmen ein Projekt begonnen, in dem sich die Jugendlichen mit haitianischen Gedichten auseinandersetzen, sie auswendig lernen und zunächst im Rahmen des Heims vortragen. Später sollen sie eventuell in Gefängnissen und Krankenhäusern Gedichte vortragen. Das Thema „Verantwortung" wird immer wieder zur Sprache kommen, denn die Art und Weise derartiger Unternehmungen hängt immer davon ab, inwieweit die Kinder und Jugendlichen sich verantwortlich für das Gelingen erfahren und auch spüren, daß sie vor allem auch für die Armen, für die Kranken, für die Menschen, die ins Gefängnis gekommen sind, Erleichterung und ein wenig Freude bringen können.

Die Bemühung, im Waisenheim der „Laiengemeinschaft der Katholiken Haitis" (CLCH) eine Struktur zu finden und zu finanzieren, bei der Erzieherinnen und Heimleiterinnen eine pädagogisch-psychologische Fortbildung erhalten, ist auf dem Weg, aber hat noch nicht zur Realisierung des Projekts geführt. Eingebunden ist ein französischer Verein, der pädagogische Erfahrung mit Entwicklungsländern einbringt und das Gesamtprojekt, das auch eine Schule umfasst, betreut. Im Augenblick stehen Verhandlungen an, wie der Zahlungsmodus für das Erzieherinnenprojekt im Waisenheim aussehen soll, damit garantiert ist, daß die finanzielle Hilfe von OIKOS mit absoluter Sicherheit dem Projekt dient.
Vorgesehen ist die Finanzierung von 7 Heimleiterinnen für Kinderhäuser mit circa je 14 Kindern und von 2 Erzieherinnen. Alle diese Personen sollen eine pädagogisch-psychologische Fortbildung erhalten, bei denen die Kinder möglichst zu eigenständigem Lernen angeregt werden sollen.

Der Schuldirektor Maître Audilon wurde mit zwei kleineren Beträgen für laufende Kosten seiner Schule unterstützt.

Im Frühjahr 2012 ist Frank Höfer nach Haiti gereist, um diese Projekte in Gang zu setzen. Die Zusammenarbeit mit Professor Toussaint ist von Anfang an eine Freude gewesen, was nicht zuletzt an seiner Zuverlässigkeit und seinem hohen Engagement liegt. Die Zusammenarbeit mit der Gruppe in Cap Haitien gestaltet sich schwieriger, weil bei den Leitern von Waisenheim und Schule ein typisch haitianisches Misstrauen vorherrscht, daß man zu sehr bestimmen will, was dort zu geschehen hat. Es ist spürbar, daß wenig Erfahrung mit gleichberechtigter Kooperation und Teamwork besteht. Hier spielen mit Sicherheit Faktoren aus der Geschichte Haitis eine erhebliche Rolle.

Frank Höfer, 1. Vorsitzender des OIKOS e.V.

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