Oikos-Verein

Aktualisierung April 2015

Waisenheim und Schule der katholischen Laiengruppe:

Das Gelände von Schule und Waisenheim der katholischen Laiengruppe in Cap Haïtien umfasst mehrere Hektar. Die über 100 Kinder des Waisenheims gehen, sobald sie alt genug sind, zu der daran angeschlossenen Schule, in die auch viele Kinder gehen, die in den Slums von Cap Ha ïtien wohnen. Im Lauf der Jahre wurde sie bis zur 9. Klasse aufgestockt, so daß die Schüler hier einen wertvollen Schulabschluss erwerben können.

hp1schulklasse in cap 2

Die Klassenräume sind geräumig. Die Lehrer sind hoch motiviert. Leider ist ein in Haiti weit verbreitetes Problem, dass die Lehrer nur für einen Frontalunterricht ausgebildet werden, der die Eigeninitiative der Schüler viel zu wenig fördert. Madame Leconte versucht ihr Bestes, um den Lehrern und Lehrerinnen nach und nach vielfältigere Unterrichtsmethoden nahe zu bringen. Ihre Schule hat bei den staatlichen Prüfungen besten Erfolg.

 

 

 

Schwester Godelieve

 

Zum Projekt gehört ein Kinderheim mit mittlerweile 106 Kindern vom Babyalter bis zu Jugendlichen.

Soeur Godelieve kümmert sich hauptsächlich um die Jüngsten. Ihre Küche ist voll mit Babynahrung, die sie hortet wie einen Schatz, denn immer wieder muss sie Kinder vor zu einseitiger Ernährung retten.

Auf Besorgungstour

 

 

 

 

Die Geschichten, die sie zu erzählen weiß, aus welchen Umständen Kinder ins Heim gekommen sind, können einem das Herz zerreißen.

Schwester Godelieve erzählt:

Jakenson hat es schwer: « Ich habe Eltern, einen kleineren Bruder und eine kleine Schwester. Sie leben mit Papa und Mama. Mein Vater hat mich rausgeschmissen!“ Das erlebt er als starke Ablehnung und es wird Zeit dauern, bis er wieder Selbstvertrauen empfindet

Steve war ein hungerndes Baby, das man auf dem Bürgersteig gefunden hatte. Als er uns gebracht wurde, war er wie ein kleines Tier. Nach Monaten der Pflege und liebevollen Aufmerksamkeit ist er langsam ein kleiner Junge wie die anderen.

hpwaisenheim in cap 18

Baby, dessen Alter man nicht kennt. Er wurde von Nachbarin zu Nachbarin weitergereicht. Seine Mutter ist gestorben, als sie ihn gebar. Baby hat nicht einmal einen Namen!

Morales ist jetzt 10. Er hat einen 2 Jahre älteren Bruder. Sie haben ihre Mutter sterben sehen und danach sind sie in Port-au-Prince herumgeirrt. Eines Tages sind sie in einen der Gratis-Busse gestiegen, die denjenigen zur Verfügung gestellt wurden, die von Port-au-Prince wegwollten. Sie wussten nicht, wohin die Reise ging und kamen nach Ouanaminthe. Sie kannten da niemanden und niemand kannte sie. Sie sind wieder herumgeirrt, schliefen draußen unter Notunterkünften und aßen, was sie finden konnten. Eines Tages sagte ihm sein Bruder: „ Ich habe es satt, ich will nicht weiter so leben!“ Sie haben sich dicht nebeneinander schlafen gelegt, aber am Morgen, als Morales aufwachte, war sein Bruder nicht mehr da. Da ist das Kerlchen ganz allein. Er fing an zu weinen, bat fremde Leute darum, ihn in ihre Familie aufzunehmen. Eine Nonne nahm ihn auf und er lebte einen Monat in deren Gemeinschaft, bis sie ihn uns brachten. Die Traurigkeit liest man in seinen Augen, seine Mutter, sein Bruder ???....“

Geht man über die große Wiese des Heims zwischen den im Geviert angeordneten Häusern, in denen die Kinder nach Altersgruppen aufgeteilt leben, fühlt man sich wie in einer Großfamilie. Kindergruppe

Es ist friedlich. Kinder spielen mit einer Art Murmeln auf der Wiese. Sie sind Profis im Zielen und Schießen mit diesen Murmeln, wobei die Aufgabe darin besteht, mit den Murmeln in eine kleine Erdmulde zu treffen wie beim Golf, nur dass man hier nur Abstände von etwa dreißig bis fünfzig Zentimeter zu überbrücken hat.

Eine französische Pharma-Firma hat 2013 eine neue Küche und einen großen Speisesaal gespendet.neue Küche mit Speisesaalalte Küche

Bis dahin wurde in Riesentöpfen, die jeweils auf drei Steinen standen, zwischen denen die großen Holzscheite brannten, auf offenem Feuer der Reis gekocht und die dazugehörige Sauce. Der Rauch zog einfach nach oben ab und schlängelte sich um die Dachplatten aus Wellblech herum ins Freie (siehe das Foto).

Neue Klos werden von einer anderen europäischen Hilfsorganisation finanziert. Sie stehen schon im Rohbau.

Weiter unten im Grundstück liegt der ringsum offene Versammlungsraum, der auch für die Gottesdienste dient. Hier konnte die  Laiengemeinschaft ein Gemeinschaftshaus bauen, um die nötige kontemplative Umgebung zu schaffen, in der die Mitglieder innerlich durch Gebet und Stille für die schwere Aufgabe des Kinderheims und der Schule auftanken können. Man hat es ja hier in der Regel mit Kindern zu tun, die aus den Slums von Cap Haïtien kommen – keine leichte erzieherische Aufgabe. Man vergisst das leicht, wenn man die im Großen und Ganzen friedliche Stimmung in Heim und Schule erlebt.

Weiter unten im Gelände ist ein landwirtschaftlicher Bereich entstanden mit einem großen Gemüsegarten.

Gemüsegarten

Man kann diesen Teil des Projekts in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug einschätzen. Slumkinder haben oft viel zu wenig Anregung durch die Vielfalt, die nicht nur die Kultur des Landes zu bieten hat, sondern auch seine Natur. Ein richtiger Gemüse- und Blumengarten hat von daher einen enormen erzieherischen Wert.

Hier, in diesem Projekt, ist in fünfzehn Jahren etwas entstanden, das ein Hoffnungsträger für Haiti ist.

Der OIKOS e.V. hilft im Waisenheim, die Haiti Kinder Hilfe e.V. in der Schule, für die gute Erziehung, bzw. die gute Ausbildung der Kinder zu sorgen.

Der OIKOS e.V. finanziert die Hausmütter und die ErzieherInnen für das Waisenheim, was einen enormen Fortschritt für die Kinder bedeutet.

Die Haiti Kinder Hilfe e.V. engagiert sich unter anderem über Patenschaften, die vor allem den Schulkindern zugute kommen.

Zum Glück tragen noch andere Organisationen zum Gelingen des Projekts bei. Wenn man hört, was Schule und Waisenheim alles an Geld und Material brauchen, kann einem schwindlig werden.

OIKOS wird das ErzieherInnen-Projekt weiterführen, denn gute Erziehung braucht Nachhaltigkeit. Helfen Sie bitte mit!