Oikos-Verein

Der OIKOS e.V. arbeitet eng mit der Haiti Kinder Hilfe e.V. (www.haitikinderhilfe.de) zusammen. Professor Herold Toussaint berät die von der Haiti Kinder Hilfe versorgten Jugendlichen, gibt wesentliche Anregungen für die Erzieher in den beiden Heimen der Haiti Kinder Hilfe und versucht auf diese Weise, die große Kluft zwischen jenen Menschen, denen ein Universitätsstudium möglich ist und jenen anderen zu überbrücken, die nur über Hilfsorganisationen wie die Haiti Kinder Hilfe überhaupt zur Schule gehen oder vielleicht sogar studieren können. Dem OIKOS e.V. liegt deshalb daran, Einblicke in die Tätigkeit der Haiti Kinder Hilfe zu ermöglichen. Der folgende Beitrag von Claire Höfer (Vorsitzende der Haiti Kinder Hilfe e.V.) und Frank Höfer (Vorsitzender des OIKOS e.V.) beschreibt einen wichtigen Aspekt der Tätigkeit: die Arbeit mit extern lebenden Jugendlichen.

Hilfe für Kinder, die bei Verwandten oder anderen Privatpersonen Zuflucht gefunden haben, und einige allgemeine Gedanken:

Zwei Jungs, denen die Haiti Kinder Hilfe den Schulbesuch ermöglicht – es sind zwei Brüder - leben bei ihrem Onkel. Wir besuchen sie dort. Wir parken das Auto in einem reichen Villenviertel der Stadt, überqueren ein Flussbett, in dem Ziegen im Müll wühlen. Keine 150 Meter von den schönen, von hohen Mauern umgebenen Grundstücken wohlhabender Haitianer liegt eines der zahlreichen Armenviertel mit engsten Gassen zwischen unverputzten, aus Hohlblocksteinen dürftig hochgezogenen Häuserreihen. Verrostete Betoneisen ragen aus den Flachdächern. Ein kleines, fensterloses Zimmer mit altem Teppichbodenrest und einem Tisch dient den Jungs als Bleibe. Sie hätten gern eine Matratze. Der ältere von den beiden steht kurz vor dem ersten Abitur. Er ist der beste seiner Klasse und auch noch Klassensprecher. Er bemüht sich sehr und will der beste bleiben. Er möchte Jura studieren, „um Menschen zu helfen, denen Unrecht geschehen ist“. Der Onkel arbeitet in einer Bäckerei und verdient kaum genug für seine eigenen acht Kinder. Sehr nett von ihm, dass er sich um die zwei Jungs kümmert. Die „Haiti Kinder Hilfe“ wird sie (und ihn) nicht im Stich lassen.

Ähnliches gilt für mehrere große Mädchen und junge Frauen, die zu uns ins Mädchenheim kommen, um zu sehen, wie sie Schule, bzw. Berufsausbildung abschließen können. Sie schlagen sich sehr tapfer durch!hpjunge frauen denen wir die ausbildung bezahlen

Da viele der Kinder, die in unserer Obhut sind, schon Jugendliche sind (vier von ihnen machen im Sommer Abitur), versuchen wir mit ihnen über ihre Zukunft nachzudenken und Pläne für geeignete Ausbildungen zu machen. Es ist eine anspruchsvolle, oft schwierige Arbeit. Viele haben „hohe“ Wünsche: Agronom, Rechtsanwalt oder Ärztin werden… und längst nicht alle haben die Fähigkeiten dazu. Man muss sie zu einer realistischeren Sicht bringen, ohne sie zu entmutigen oder ihnen den Schwung zu nehmen. Dazu kommt, dass es im Moment in Haiti alles andere als einfach ist, junge Leute zu einem guten Auskommen zu verhelfen

Diese Erfahrungen lehren uns, dass Haiti unbedingt über eine Erziehung geholfen werden muß, bei der man konsequent Qualität vor Quantität setzt. Es scheint uns, dass man in extremen Notsituationen natürlich versuchen muss, möglichst vielen Menschen zu helfen, auch möglichst viele Kinder zu beschulen. Aber dafür sind hauptsächlich die großen Hilfsorganisationen da. Die „Haiti Kinder Hilfe“ und der OIKOS e.V. sehen ihre Aufgabe eher darin, dass die Kinder und Jugendlichen eine so solide Erziehung und Ausbildung bekommen, dass sie wirklich Gutes im Leben leisten können. Das soll nicht heißen, dass alle ein Universitätsstudium absolvieren sollen. Diese Schlussfolgerung wäre sicherlich falsch. Was Haiti braucht, sind Leute, die wissen, was sie wollen, die auch die Begabung dafür mitbringen und die gelernt haben, wie man Gewolltes in die Tat umsetzt. Wer die Gaben mitbringt, um Putzfrau oder  Putzmann zu werden, sollte genau dies tun können und soviel wie möglich darüber lernen. Wer das Zeug hat zum Handwerker oder zur Handwerkerin, sollte genau das tun können und zwar auf kompetente Weise. Und wer Begabung und Wille hat, ein Studium zu absolvieren, soll auch dies tun können.

Nicht wenige Haitianer sind in der Gefahr, den Willen zur Eigeninitiative zu wenig zu entwickeln, weil sie lernen, sich darauf zu verlassen, dass schon irgendeine Hilfsorganisation kommen wird, die sie mit Gewünschtem versorgt. Ein Beispiel: Eine Hilfsorganisation hat haitianischen Fischern zu Fischereibooten verholfen. Eine Haitianerin hat sich daraufhin gedacht, dass diese Fischer sicherlich auch das für diese Tätigkeit nötige Zubehör brauchen werden. Sie hat sich Geld geliehen und ein Geschäft für die entsprechenden Gerätschaften aufgemacht. Niemand kam, niemand kaufte bei ihr ein. Sie ging zu den Fischern und fragte: „Warum kauft ihr nichts bei mir?“ Antwort der Fischer: „Weil wir auf die nächste Hilfsorganisation warten, die uns das Material bezahlt!“

Der OIKOS e.V. und die Haiti Kinder Hilfe bemühen sich deshalb darum, Kinder und Jugendliche so zu erziehen, daß sie stolz sind auf eigene Leistung, eigene Tatkraft, eigenen Mut, eigene Initiative …